Gold für Marisa Braig, Silber fürs deutsche Team
Bishop Burton/GBR (fn-press). Marisa Braig (Niederbiegen) ist neue Europameisterin der Pony-Vielseitigkeitsreiter. Bei den EM in der Vielseitigkeitshochburg England gewann die 15-jährige Baden-Württembergerin im Sattel des bewährten Andy Gold vor der Britin Grace Walker mit Noble Springbok und der Irin Sarah O'Brien mit Ice Cool Bailey. Den Titel in der Mannschaftswertung sicherte sich mit großem Vorsprung das Team von Gastgeber Großbritannien vor Deutschland und Belgien.
Mit ihrem Sieg trug Marisa Braig maßgeblich zum Gewinn der Silbermedaille des deutschen Teams bei. Sie kam mit nur 44,5 Minuspunkten aus der Dressur, drehte eine von wenigen Nullrunden durch das anspruchsvolle Gelände rund um das College in Bishop Burton und übernahm damit bereits vor dem Springen die Führung. Im Parcours selbst profitierte sie als letzte Starterin von einem Abwurf ihrer Vorreiterin Grace Walker, denn auch ihr unterlief am Einsprung zur Zweifachen ein Fehler. Braig kam auf ein Endergebnis von 48,5 Minuspunkten und ließ damit ihre britische Verfolgerin hinter sich (50,9). Mit nur einem Zehntel Abstand auf Walker belegte die Irin Sarah O'Brien den dritten Platz (51,0). Für die Ponys der drei Spitzenreiterinnen bedeutete die Medaillenzeremonie indes nichts Neues. Noble Springbok stand bereits 2005 (Silber mit Laura Collet), 2006 und 2007 (Silber beziehungsweise Gold mit Libby Soleil) hinter dem Treppchen und Ice Cool Bailey holte auch im Vorjahr mit Joseph O'Brien die Bronzemedaille. Mit dem jetzt 15-jährigen Westfalen Andy v. Amarillys Sensation gewann schon Niklas Hebing 2003 Mannschaftsgold, Valeska Hauptmann 2007 Doppel-Silber und im vergangenen Jahr gehörte er mit seiner jetzigen Reiterin erneut dem Goldteam bei einer Pony-EM an.
Damit waren Marisa Braig und Andy die Routiniers im deutschen Team. Flora Reemtsma (Groß Walmstorf) mit Pamira LK, Michelle Mothes (Rodewisch) mit Twobits und Saskia Wasserberg (Rhauderfehn) mit Lady Leslie betraten mit der EM dagegen Neuland. Letztere stand dabei zugleich vor der Herausforderung, sowohl auf dem Viereck als auch in der Geländeprüfung den „Pathfinder“ zu machen – nicht nur fürs deutsche Team, sondern auch für die übrigen 48 Titelbewerber. Sie kam in einer schnellen Zeit ins Ziel, behaftet jedoch mit einem Vorbeiläufer am „Coffin“. Mit zusätzlichen vier Strafpunkten im Springen belegte sie schließlich Platz 29 (Endstand 93,5). Ihr Beispiel sorgte aber dafür, dass die zweite Teamreiterin, EM-Neuling Flora Reemtsma mit Pamira LK am Coffin die Alternative wählte und mit nur 2,4 Zeitstrafpunkten ins Ziel kam. Allerdings hatte auch sie vier Strafpunkte im Springen und trug schließlich mit 56,4 Minuspunkten zum deutschen Mannschaftsergebnis bei. In der Einzelwertung wurde sie Achte. Weniger Glück hatte Michelle Mothes. Sie kassierte nicht nur eine Verweigerung am „Arrowhead“, sondern auch viele Zeitfehler. „Der Schecke zog heute von Anfang nicht wie gewohnt“, sagte Bundestrainer Fritz Lutter (Warendorf). Damit büßte die 14-Jährige ihre gute Position nach der Dressur ein. Mit der einzigen deutschen Nullrunde im abschließenden Springen nahm aber auch für sie die EM ein versöhnliches Ende (Endstand 99,8), wenngleich sie mit 99,5 Strafpunkten (Platz 31) das Streichergebnis fürs Team lieferte.
Auf Platz 21 beendete die deutsche Einzelreiterin Stefanie Bendfeldt (Stöttwang) mit Dara die EM 2010. Beim Versuch, ihr gutes Ausgangsergebnis in der Dressur in eine mögliche Medaille zu verwandeln, war auch ihr ein Fehler am Coffin unterlaufen. Ein Abwurf im Springen kam dazu. „Einen Versuch war es wert, den geraden Weg im Gelände zu nehmen. Nur so hatte sie die Chance, ihr Dressurergebnis gegebenenfalls zu halten. Schade, dass es nicht geklappt hat, das hätte den dritten Platz bedeuten können“, sagte Fritz Lutter.
Als „hoch, weit, breit und vor allem technisch sehr anspruchsvoll“ hatte Fritz Lutter den Geländekurs in Bishop Burton schon nach der ersten Besichtigung charakterisiert. Mit seiner Einschätzung sollte er recht behalten. Nur die britischen Reiter hatten letztlich keinerlei Probleme im Cross. Die meisten anderen Nationen zogen eine schlechtere Bilanz. Von ursprünglich neun Mannschaften blieben nur fünf mit drei und mehr Paaren „im Rennen“. 13 Paare schieden im Kurs aus, darunter die nach Dressur noch auf Platz zwei rangierende Edith Chardon, Tochter des zweimaligen Weltmeisters im Vierspännerfahren, Ijsbrand Chardon (Niederlande). „Aus meiner Sicht lagen die Anforderungen über dem üblichen Limit. Unsere Reiterinnen konnten ja gut mithalten und ich bin sehr stolz auf sie. Aber es gab schon Nationen, die sich heute schwer taten. Damit will ich nicht die Erfolge der englischen Paare schmälern, die sehr routiniert geritten sind und super Leistungen gebracht haben. Aber im Sinne des Sports würde ich mir fürs nächste Jahr doch für alle wieder angemessenere Bedingungen wünschen“, so das Fazit des Bundestrainers. Hb
FN...aktuell 23 / 04. August 2010 |