U15-Konzept verabschiedet
Kirchheim (fn-press). Mit großer Mehrheit hat der Jugendausschuss der Deutschen Reiterlichen Vereinigung bei seiner Jahrestagung in Kirchheim ein neues Förderkonzept Vielseitigkeit verabschiedet. Danach sollen junge Vielseitigkeitsreiter bis einschließlich 15 Jahre (U15) mit Pferden künftig stärker gefördert werden. So wird es zusätzlich zum Bundesnachwuchschampionat für sie im September einen weiteren Saisonhöhepunkt in Form einer Vielseitigkeitsprüfung Klasse L als Hinführung zu den Deutschen Juniorenmeisterschaften geben. Außerdem soll der vor zwei Jahren ins Leben gerufene D/C-Perspektivkader künftig ausschließlich dieser Zielgruppe vorbehalten bleiben.
Zum Hintergrund: Deutschlands vielseitige Nachwuchsreiter gehören seit Jahren regelmäßig zu den Medaillenkandidaten. Allerdings ist das Niveau schwankend und nur wenigen Reitern gelingt am Ende der Sprung in den Spitzensport. Viele ehemals erfolgreiche Nachwuchsreiter sind heute in der Versenkung verschwunden und haben oft nicht einmal mehr einen Reitausweis, wie eine Auswertung der Teilnehmerlisten des Bundesnachwuchschampionats ergeben hat. Oftmals scheitert der Übergang vom Nachwuchs- in den Spitzensport am geeigneten Pferd, weil das bisherige Toppferd entweder seine Grenzen mit den Anforderungen im Junge-Reiter-Bereich erreicht hat oder es dafür einfach zu alt ist. Ebenso oft misslingt aber auch schon der Einstieg in den Juniorensport, wenn die Ponyreiter erst mit Ende 16 oder 17 Jahren aufs Pferd umsteigen und sie sich gleichzeitig auf einen neuen Partner und gehobene Anforderungen einstellen sollen. „In diesem Falle läuft einfach die Zeit davon. Wer ernsthaft im Juniorensport mitmischen will, sollte sich spätestens mit 14 oder 15 Jahren nach einem passenden Pferd umsehen“, empfiehlt Fritz Lutter (Warendorf), Bundestrainer der Ponyvielseitigkeitsreiter, der das Konzept beim Bundesjugendausschuss in Kirchheim vorstellte. „Ideal ist es natürlich, wenn in dieser Zeit Pony und Pferd parallel zur Verfügung stehen.“
Bundesnachwuchschampionat nur noch für U15 Um den rechtzeitigen Umstieg zu fördern, liegt die Altersgrenze der Bundesnachwuchschampionatsteilnehmer in beiden Abteilungen – Pferde und Ponys – künftig bei maximal 15 Jahren, wobei die Anforderungen entsprechend angepasst werden. „Ziel ist es einfach, Talente früher zu entdecken und länger zu begleiten“, sagt Fritz Lutter. Eine weitere Änderung betrifft die Zahl der Teilnehmer. Danach sollen künftig nach dem olympischen Vorbild fünf Paare pro Landesverbandsteam starten, wobei die drei besten Ergebnisse gewertet werden. Zusätzliche Einzelreiter gibt es nicht mehr. Landesverbände, die allein keine Mannschaft stellen können, dürfen sich zu Mixteams zusammenschließen.
VL im September Die als zweiter Saisonhöhepunkt gedachte Vielseitigkeitsprüfung Klasse L im Herbst richtet sich an alle, die im folgenden Jahr ihr DM-Debüt anvisieren. „Die Anforderungen einer solchen Prüfung liegen etwas unterhalb derer einer internationalen Ein-Stern-Prüfung, also dem späteren DM-Niveau. Außerdem reiten hier die Jugendlichen unter sich“, nennt Fritz Lutter die Vorteile einer solchen Prüfung. Entsprechend der Leistungen beim Bundesnachwuchschampionat und dem L-Saisonfinale wird danach der D/C-Perspektivkader berufen, dessen Mitgliedschaft verbunden ist mit entsprechenden Lehrgangsmaßnahmen mit Geländetraining, Sitzschulung und Kontrolle des Dressurfortschritts. Außerdem winken Stipendien oder Trainingsaufenthalte bei renommierten Vielseitigkeitsreitern. Mit den neuen Maßnahmen zur Nachwuchsförderung schlägt die Vielseitigkeit einen Weg ein, der im Springen bereits in ähnlicher Weise erfolgreich beschritten wurde. In dieser Disziplin gibt es bereits vor einigen Jahren die Altersklasse der Children, zwölf- bis 14-jährige Springreiter zu Pferde. Seit zwei Jahren beteiligt sich Deutschland mit einer Mannschaft an den Children-Europameisterschaften, im kommenden Jahr soll es erstmals eine Deutsche Meisterschaft für diese Zielgruppe geben. „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass die Children-Klasse international auch in der Vielseitigkeit eingeführt wird“, nennt Fritz Lutter einen weiteren Grund für die geplanten Neuerungen.
„Goldene Schärpe“ bleibt U16 Von den Veränderungen weitgehend unberührt bleibt die „Goldene Schärpe“. Beschlossen wurde lediglich deren Verlegung in den Herbst. Auch die Handicaps wurden erhöht, um den Einsteigercharakter dieses traditionellen Mannschaftswettbewerbs noch stärker hervorzuheben. So sind Reiter mit Platzierungen in Klasse A oder Teilnehmer beim Nachwuchschampionat künftig nicht mehr zugelassen. Auch die Anzahl Starts ist künftig begrenzt. Wer bereits zwei Mal bei der Goldenen Schärpe mitgeritten und älter aös zwölf Jahre ist, darf ein weiteres Mal nur dann an den Start gehen, wenn er zuvor nicht platziert war. „Wir wollen die Reiter ja ermutigen, sich weiterzuentwickeln, besser zu werden und sich das nächst höhere Saisonziel zu setzen“, begründet Fritz Lutter. Hb
FN...aktuell 37/ 17. November 2010 |